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Ami Schattner:

Consequence or Coincidence?    The occurrence, pathogenesis and significance of autoimmune manifestations after viral vaccines
(Folge oder Koinzidenz? Auftreten, Pathogenese und Bedeutung von autoimmunen Erscheineungen im Anschluss an virale Impfungen)

eine Literaturübersicht

Im Kontrast zur Hartnäckigkeit und Heftigkeit der Kontroverse über die Bedeutung autoimmuner Reaktionen nach Impfungen lässt sich dafür in den englischsprachigen Publikationen seit 1966 realativ wenig Evidenz zusammentragen.

Quelle: Vaccine, June 2005; 23(4):3876-86   - online unter: www.sciencedirect.com

vergleiche auch die kontrastierenden Beiträge zu den Autoimmunstörungen nach Hepatitis-B-Impfungen:
von Marc Girard MGirard_HBV-autoimmun.htm oder von Geier+Geier GeierGeier_HBV-autoimmun.htm

Anknüpfungspunkt die Aussage Schattners (Ste.2): "Die Liste der autoimmunen Manifestationen, welche bei Patienten nach HBV-Impfungen berichtet werden ist bemerkenswert in ihrer Länge und in ihrer Vielfalt."

Zusammenfassung:

The occurrence and significance of autoimmune manifestations after the administration of viral vaccines remain controversial.
Methods: Medline search of all relevant publications from 1966 through June 2004 with special emphasis on search of each individual autoimmune manifestation and vaccination, as well as specifically searching each viral vaccine for all potential autoimmune syndromes reported.
Results: Themost frequently reported autoimmune manifestations for the various vaccinations, were: hepatitis A virus (HAV) - none; hepatitis B virus (HBV) - rheumatoid arthritis, reactive arthritis, vasculitis, encephalitis, neuropathy, thrombocytopenia; measles, mumps and rubella vaccine (MMR) - acute arthritis or arthralgia, chronic arthritis, thrombocytopenia; influenza - Guillain-Barre syndrome (GBS), vasculitis; polio - GBS; varicella - mainly neurological syndromes.
Even these "frequent" associations relate to a relatively small number of patients. Whenever controlled studies of autoimmunity following viral vaccines were undertaken, no evidence of anassociation was found.
Conclusions: Very few patients may develop some autoimmune diseases following viral vaccination (in particular - arthropathy, vasculitis, neurological dysfunction and thrombocytopenia). For the overwhelming majority of people, vaccines are safe and no evidence linking viral vaccines with type 1 diabetes, multiple sclerosis (MS) or inflammatory bowel disease can be found.

© 2005 Published by Elsevier Ltd.

Anmerkung:

In der vorliegende Übersichtsarbeit wurden die englischsprachig publizierten Erkenntnisse der letzten 38 Jahre zur Frage des Zusammenhangs von viralen Impfungen und autoimmunen Nebenwirkungen systematisch durchgeforstet - eine aufwändige und sinnvolle Bestandesaufnahme. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen des Autors sind wohl korrekt, zunächst korrekt:
"Nur sehr wenige Patienten werden im Anschluss an eine virale Impfung eine autoimmune Krankheit entwickeln (speziell: Arthropathien, Vasculitis, neurologische Fehlfunktion und Thrombocytopenie). Für die überwältigende Mehrheit der Leute sind Impfungen sicher und es kann keine Evidenz für die Verbindung von Impfungen mit Diabetes Typ 1, Multiple Sklerose oder entzündliche Darmerkrankungen gefunden werden."
Bei der Generalabsolution bezüglich Sicherheit der Impfungen fragt man sich allerdings, ob der Autor nicht voreilig die Reichweite seiner retrospektiven Studie überschätzt. Denn man vermisst, wie so oft bei ähnlichen "Arbeiten im Nachhinein", die Würdigung der Qualität und Aussagekraft der vorliegenden Information in Bezug auf die Studienhypothese und in Bezug auf übergeordnete Zusammenhänge. Hier fehlt insbesondere die ernsthafte Diskussion des wohl signifikanten "under reportings" von Impfnebenwirkungen und des "publication bias" sowie die Skizzierung eines (prospektiven) Studiendesigns, welches eine verlässlichere Erkenntnis erlauben würde.
Bemerkenswert aber die Schlusspassage unter Diskussion: "...die kumulativen Daten, die sich aus unserer detaillierten Literaturübersicht ergeben, sind sehr aufschlussreich. Die ermittelten Autoimmunreaktionen sind überzeugend, wenn auch nicht eindeutig von autoimmunem Charakter: Sie zeigen ein wohldefiniertes Bild verschiedener Arten von Organschäden, die mit Autoimmunerkrankungen vereinbar sind. Dies wird auch durch gut untersuchte Modelle von Autoimmunerkrankungen im Tierversuch bestätigt. Sie treten nach einer Latenzzeit von etwa zwei Wochen nach einer Impfung auf und zeigen eine große geographische Verbreitung. Bisher konnte keine andere Erklärung für diese Ereignisse gefunden werden, und in etlichen Fällen wurde ein Ansprechen auf immunsuppressive Therapie beobachtet." In diesem Zusammenhang wird beispielsweise auch die Arbeit von Harrison zitiert nach der 5,3% der Patienten im Frühstadium von PcP über eine vorangehende Impfung berichten (Harrison BJ, Thomson W, Pepper L, et al. Patients who develop 814 inflammatory polyarthritis (IP) after immunization are clinically 815 indistinguishable fromother patients with IP. Br J Rheumatol 816 1997;36:366-9.)
Renommierte Review-Kommitees wie das "US Institute of Medicine" IOM und das "World Health Organization's Global Advisory Committee on Vaccine Safety" GACVS als unabhängig zu bezeichnen ist wohl naheliegend. Bedenkt man aber den enormen Erfolgs- und Rechtfertigungsdruck, welchem solche Institutionen im Bereich Impfprogramme ausgesetzt sind, kann man über das Vertrauen des Autors nicht so recht froh werden. (vgl. hierzu Dave Weldons Statement zum Autismusproblem vor dem IOM)

Peter Klein, April 2005    www.impfo.ch  

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